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Harz und Arkadien.
Pascha Johann Friedrich Weitsch (1723-1803)
Landschaftsmaler der Aufklärung

11. Juni 2017 bis 17. September 2017

Schade eigentlich, dass der Braunschweiger Landschaftsmaler Pascha Johann Friedrich Weitsch (1723-1803) in seinen letzten Lebensmonaten so reichlich mit Aufträgen versehen war. Denn sonst hätte er als eines seiner letzten Werke ein Gedenkbild auf den Halberstädter Dichter und Sammler Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) geschaffen, zu dem er bereits eine Leinwand grundiert hatte. Die beiden waren Altersgenossen und in ihren späten Jahren freundschaftlich verbunden. Weitsch dürfte in der Dichterwelt um Gleim entscheidende geistige Anregungen für wesentliche Bereiche seines Schaffens empfangen haben. Gerade seine eigentümlichen Gedenkbilder haben Voraussetzungen im Wirken Gleims, der den didaktischen Gedenk- und Denkmalkult der Aufklärung in vielen Facetten zelebrierte und mitformte.

Mit der Darstellung von Eichenwälder, einer neuartigen Form einer heroischen Landschaft, hat Weitsch die geläufigen arkadisch-pastoralen Traditionen erweitert, es zu einer bemerkenswerten Virtuosität und zu Renomée gebracht. Bedeutende Verdienste hat er sich auch als künstlerischer Entdecker des Harzes erworben. Ob seine Harzlandschaften und Eichenwälder zwangsläufig als Manifeste eines klopstockisierenden Germanenpatriotismus zu verstehen sind, wie es gemeinhin angenommen wird, ist zu überdenken.

Der Ausstellung im Gleimhaus Halberstadt kommt durch die Freundschaft des Malers mit dem Dichter sowie durch die räumliche Nähe zum Harz eine besondere Stringenz zu. Sie präsentiert eine kleine, beziehungsreiche Auswahl seines Schaffens. Neben einigen Leihgaben aus Museen in Braunschweig, Hannover, Münster, Nürnberg und Halberstadt sind zahlreiche Werke aus Privatbesitz erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen, darunter die lange verschollene zweite Version der „Rosstrappe“.

Die Ausstellung bezieht Weitschs stilbildende Tätigkeit im Bereich der Porzellanmalerei und der Stobwasserschen Lackkunst mit ein, letzteres eine fast in Vergessenheit geratene, dabei überaus reizvolle Mode der angewandten Kunst jener Zeit.

Ein Katalog mit einer Edition aller derzeit bekannten Briefe Weitschs sowie Beiträgen von Reimar F. Lacher, Christian Lechelt und Detlev Richter erscheint im Mitteldeutschen Verlag zum Preis von voraussichtlich 19,95 € (in der Ausstellung 16,- €).