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Rokoko-Kabinett - Aktionsraum zur Gleim-Zeit

Anders als bei der typischen Ausstellung arbeitet das „Rokoko-Kabinett“ nicht mit Exponaten, die nur anzusehen sind, sondern besteht aus Aktionsstationen, an denen die Besucher selbst tätig werden und sich so in die Zeit des Dichters, Sammlers und Freundschaftsapostels Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) versetzen können. Das Glücksspiel, das Briefschreiben, die formvollendete Begrüßung durch Knicks und Kratzfuß stellen einige der Stationen dar.

Eine besondere Attraktion bildet das Sofa aus Goethes Jahrhundertroman „Die Leiden des jungen Werthers“, auf dem Werther seiner Angebeteten, Lotte, vorgelesen hat, wie man sich überhaupt in der Zeit des Rokoko mangels Fernseher und sonstiger Unterhaltungselektronik ständig vorgelesen hat. Das Gleimhaus konnte dieses Sofa ergattern und lädt nun die Besucher ein, darauf Platz zu nehmen, um ebenfalls vorzulesen.
Das zentrale Motiv des Rokoko-Kabinetts bilden die Galanterie beziehungsweise die Liebesfreuden, in denen der Sinn des Lebens gefunden wurde. So ist hier gewissermaßen ‚die andere Seite der Aufklärung‘ zu erleben, die deutlich macht, dass nicht die Vernunft allein das 18. Jahrhundert beherrscht hat, sondern auch die Sinnlichkeit.
Vielfach wurde das Rokoko als Epoche der Frivolität und Dekadenz geschmäht. Im Rokoko-Kabinett soll dagegen die Entdeckung der Daseinsfreude als eine epochale Leistung dieser Zeit gewürdigt werden.