A  A+  A++                
Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Johann Wolfgang v. Goethe
Heinrich von Kleist

Vernetzte Köpfe: Gleim – Goethe – Kleist. Porträtdarstellungen von Stephan Klenner-Otto zu Schriftstellern um 1800. Eine Kooperation des Goethe-Museum Düsseldorf / Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung, des Gleimhauses Halberstadt und des Kleist-Museums, Frankfurt/Oder in Verbindung mit dem Wehrhahn-Verlag Hannover

Was verbindet den Lyriker und Sammler Johann Ludwig Wilhelm Gleim (1719-1803) mit dem größten deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und dem Publizisten und Autor Heinrich von Kleist (1777-1811)? Alle drei Autoren standen auf vielfältige Weise mit Vertretern des literarischen Lebens in Verbindung oder waren über Vermittler in ein ortsübergreifendes Gespräch einbezogen. Gleim baute in Halberstadt einen „Freundschaftstempel“ mit Porträts aller bedeutenden deutschen Schriftsteller auf und pflegte ein weitverzweigtes Netzwerk. Der junge Goethe lobte ihn, setzte sich später aber von ihm ab. Das Geflecht von persönlichen und brieflichen Kontakten, die er in Weimar knüpfte, bildet einen so unermesslich reichen Kosmos, dass man es als Grundlage für eine Personengeschichte der Zeit um 1800 nehmen könnte. Von dem um eine Generation jüngeren Kleist erwartete Goethe sich zunächst viel, antwortete aber auf ihn mit gereizter Opposition. Zuvor hatte Kleist auf der Suche nach Anerkennung noch 1801 „Vater Gleim“ besucht, den ‚Türöffner‘ par excellence.

Inspiriert von dieser Netzwerkbildung haben sich drei Dichtermuseen zu der Gemeinschaftsausstellung „Vernetzte Köpfe“ verbunden: das Goethe-Museum Düsseldorf/Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung, das Gleimhaus Halberstadt und das Kleist-Museum in Frankfurt/Oder. Die Schau zeigt Porträts von Gleim, Goethe und Kleist sowie von Personen des deutschen literarischen Lebens, die mindestens mit zwei der drei Autoren in Verbindung standen.

Die Zeichnungen und Radierungen stammen von dem oberfränkischen Künstler Stephan Klenner-Otto, der sich seit vielen Jahren auf die Literaturgeschichte spezialisiert hat. Klenner-Otto greift die historische Porträtüberlieferung auf, verfremdet sie und entwickelt dabei eine eigenständige moderne Interpretation der Bildnisse. Seine Lieblingsautoren stellt der Künstler auf eigenwillige und manchmal skurrile Art dar, im Stil eines phantastischen Realismus. Stephan Klenner-Otto hat auch Werke von Jean Paul und E. T. A. Hoffmann bibliophil illustriert. Für sein Werk ist der Künstler, der mit zahlreichen Ausstellungen an die Öffentlichkeit getreten ist, 2015 mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung ausgezeichnet worden.

„Klenner-Otto ist ein leidenschaftlicher Leser, Literatur bildet das Zentrum seines künstlerischen Kosmos. […] In jedem seiner Porträts stecken subtile Einfälle, und alle verraten, so gibt er gern zu, auch Facetten seines eigenen Innenlebens: Darstellen mag er nur Figuren, zu denen ein enger persönlicher Bezug entstanden ist, die er intensiv gelesen und deren Biographie er studiert hat. […] Vorbild und Lehrer Klenner-Ottos war der phantastische Realist Caspar Walter Rauh, der in derselben Gegend lebte. Neben gemeinsamen Themen gehört dazu auch die handwerkliche Seite. Klenner-Otto radiert seine Platten immer ohne Entwurf und Vorzeichnung, meist in Kupfer für die feineren glatten Linien oder in Zink, wo der Strich beim Ätzen unregelmäßiger ausbricht und dadurch mehr Farbe aufnimmt.“ (Alexander Košenina, Ein Meer aus Köpfen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2009).