Inhaltliches zur Ausstellung:
Drei Freundeskreise, vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein, werden in ihrer Spezifik dargestellt.
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Der Kreis um Gleim, der seine Darstellung u. a. in der Porträtsammlung des Gleimschen Freundschaftstempels findet, wird - jetzt im Rahmen von Führungen - unter dem Aspekt der Vernetzung bzw. der Kontakte der einzelnen Mitglieder und der gesellschafts- und kulturpolitischen Besonderheiten sowie des bürgerlichen Emanzipationsstrebens im 18. Jahrhundert und des Aufbegehrens gegen althergebrachte Gesellschaftsstrukturen betrachtet. Gleichzeitig kann Gleims Freundeskreis unter dem Motiv des besonderen Lebensgefühls oder Herausgehobenseins aus dem alltäglichen Umgang von Menschen miteinander eingeordnet werden. Kennzeichnend für den Gleim-Kreis war die rege Korrespondenztätigkeit. |
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Die Brücke zum Stefan George-Kreis im ersten Sonderausstellungsraum wird verdeutlicht zunächst durch die große Foto-Porträtwand als moderner Abbildungsform mit dem "Meister" George im Zentrum und den "Jüngern" bzw. der Künstler- und Lebensgemeinschaft, die sich seit 1892 um seine charismatische Persönlichkeit und sein Werk ranken. Dieser Freundeskreis verwirklicht sich u. a. zunächst durch die Herausgabe der Blätter für die Kunst als gemeinsames künstlerisch-literarisches Sprachrohr. Georges Wirken zog auch noch eine "Enkelgeneration" in den Bann, zu der z. B. auch Klaus Graf Schenk von Stauffenberg gehörte. Der George-Kreis war u. a. geprägt durch eine in Grundzügen kritische aber auch elitäre Haltung gegenüber den gesellschafts- und kulturpolitischen Tendenzen des wilhelminischen Deutschlands und der Weimarer Republik. Ein Schwerpunkt der "inneren" Beziehungen des George-Kreises lag auf dem Briefwechsel zwischen den einzelnen Mitgliedern sowie einer hohen Wertschätzung gegenseitiger Widmungen in Gedichten. |
Im nächsten Ausstellungsraum vermittelt wieder eine Porträt-Wand die Beziehung von Freunden zueinander und zu den Kreisen um Gleim und George. Es geht um den Kreis von Menschen, der sich unter der Bezeichnung "Castrum Peregrini" (Pilgerburg) in Amsterdam während der deutschen Besetzung im zweiten Weltkrieg gebildet hatte und heute mit einer Zeitschrift und einem gleichnamigen Verlag - dessen erste Veröffentlichung übrigens eine Hommage an Stefan George war - ein breites künstlerisch und literarisch interessiertes Publikum weltweit gefunden hat. Castrum Peregini, der Name einer Kreuzritterburg in der Nähe von Haifa, die nie von den Gegnern eingenommen worden war, und die Amsterdamer Wohnung der Künstlerin Gisèle d`Ailly van Waterschoot van der Gracht, in der sie erfolgreich viele Menschen unterschiedlicher Nationalität vor dem Zugriff durch die deutschen Nationalsozialisten versteckt gehalten hatte, symbolisieren den Glauben an die Festigkeit und Unerschütterlichkeit menschlichen Zusammenhalts in außergewöhnlichen Situationen. Aus Fremden mit ähnlicher geistiger Haltung wurden bzw. werden u. a. "Freunde als Autoren und Autoren als Freunde". Auch der Kreis Castrum Peregrini widmet sich dem Gedankenaustausch per Briefwechsel sowie dem Gedicht. |
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Die drei o. g. Freundeskreise können unter dem Motto, das vom Castrum Peregrini-Angehörigen
Wolf van Cassel stammt, zusammengefasst werden:
"Unser ganzes Geheimnis liegt im Du."
Durch die drei vorgestellten Freundeskreise erfolgt aber auch gleichsam die Beleuchtung von drei historischen und literarischen Epochen:
- Aufklärung
- Fin de Siècle / Jahrhundertwende
- 20. Jahrhundert