Ausstellung im Gleimhaus über den Soldaten und Idyllendichter Ewald Christian von Kleist
Sonderausstellung 13.09.2009 bis 15.11.2009
Ewald Christian von Kleist (1715-1759) ist ein heute zu Unrecht fast vergessener Autor des 18. Jahrhunderts.
Im Jahr 2009 jährt sich sein Todestag zum 250. Mal.
Seine Biografie ist von besonderer Brisanz, da er gleichsam in zwei Welten zuhause war: als preußischer Major
in der des Militärs und als Dichter in der der Geselligkeit, der Idyllen und der Schäferdichtung.
Von Kleist stammt eines der großen, epochalen Naturgedichte der Aufklärung "Der Frühling". Die Erlebnisdichtung
, die sich im 18. Jahrhundert entwickelte, wurde durch ihn entscheidend geprägt. Gleichzeitig hatte Kleist einen
kritischen Blick auf seine soziale Umgebung. Das schwierige Leben der Landleute beispielsweise hat er mehrfach
in seinen Werken thematisiert.
Ewald von Kleist war einer der engsten Freunde von Gotthold Ephraim Lessing und Johann Wilhelm Ludwig Gleim.
Lessing hat Kleist in der Figur des Tellheim in dem Stück "Minna von Barnhelm" ein literarisches Denkmal gesetzt.
Lessings "Briefe, die neueste Literatur betreffend" haben Kleist zum Adressaten. Er war zudem freundschaftlich
verbunden mit den Schweizern Bodmer, Breitinger, Geßner, Sulzer, aber auch mit Ramler, Gellert und Weiße.
Kleist starb an den Verwundungen, die er sich in der Schlacht bei Kunersdorf im Jahr 1759 zugezogen hat.
Seinen poetischen und brieflichen Nachlass hatte er zuvor seinem Freund Gleim zur Aufbewahrung gegeben.
Sein Tod war ein öffentlich wahrgenommenes Ereignis in der literarischen Welt. Eines der ersten deutschen
Dichter-Denkmäler wurde ihm gewidmet.
Die Ausstellung stellt Leben und Werk Kleists dar. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf dem Spannungsfeld von
militärischem Alltag und literarischer Geselligkeitskultur. Wie ähnlich nur noch einmal zu Beginn des Ersten
Weltkrieges wurden Dichter zu glühenden Befürwortern des Krieges, wobei im 18. Jahrhundert der Krieg auch zur
Chiffre für Aufklärung und die Kriegslyrik zum Beweis für die Legitimierung des Deutschen als Literatursprache
wurde. Gleichzeitig finden sich in den Texten Kleists auch kritische Töne zum Kriegsgeschehen.
Die Ausstellung wird gezeigt in Kooperation mit dem Lessing-Museum in Kamenz und in Absprache mit dem
Kleist-Museum in Frankfurt/Oder. Der Alltag des Krieges wird kontrastiert mit der Freundschafts- und
Geselligkeitskultur. Eine besondere Rolle nimmt hierbei die Freundschaft zwischen Gleim, Lessing und Kleist ein. Die Ausstellung ist Teil des Themenjahres "Alltagswelten" der Landesinitiative "Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert" und wird gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt.
|