Sonderausstellung: Karl Philipp Moritz (1756-1793) |
Der Schriftsteller und Ästhetiker Karl Philipp Moritz (1756-1793) ist ein heute fast nur noch in Fachkreisen bekannter Autor des 18. Jahrhunderts - zu Unrecht, wie das Gleimhaus meint. Aus diesem Grund erinnert das Literaturmuseum mit seiner neuen Sonderausstellung an diesen wichtigen Autor des 18. Jahrhunderts, dessen Porträt sich in der Gemäldegalerie Gleims befindet und der mit "Vater Gleim" im freundschaftlichen Kontakt stand. Lesenswert ist bis heute Moritzī autobiografisch gefärbter Roman "Anton Reiser" (1785-1790), der im Mittelpunkt der Ausstellung steht. In diesem "psychologischen Roman" erzählt der Verfasser seine Lebensgeschichte spannend nach und stellt zugleich immer wieder die Frage nach den Ursachen seelischen Leidens. Er berichtet von dem Aufwachsen in engen kleinbürgerlichen Verhältnissen, aber auch von der großen Beglückung, die für ihn mit der Lektüre empfindsamer Literatur und mit dem Theaterspiel verbunden war. Während Anton Reisers Leben jedoch nicht in gesicherte bürgerliche Bahnen gelangt, wurde Moritz zum Ende seines Lebens Professor der Theorie der schönen Künste in Berlin. In der Bedeutung für die Literaturgeschichte wird "Anton Reiser" immer wieder mit Jean Jacques Rousseaus "Confessions" in einem Atemzug genannt. Mit seinem "Magazin zur Erfahrungsseelenkunde" schuf Moritz die erste psychologische Zeitschrift Deutschlands. Die Entdeckung der "Seele" - sie nahm nicht erst bei Sigmund Freud ihren Anfang, sondern im 18. Jahrhundert. Wichtige Fragen der modernen Psychologie werden hier bereits aufgeworfen. Die Erkundung der Seele, der Seelenkräfte, aber auch der Krankheiten der Seele - das ist ein wichtiger Beitrag von Karl Philipp Moritz und seine Zeitgenossen zur deutschen Aufklärung. Darüber hinaus ist Moritz auch ein wichtiger Verfasser von Lehrbüchern - etwa zum guten Stil und zum guten Briefschreiben, aber auch als Autor für die Bildung von Kindern ist er hervorgetreten. Sein "Neues A. B. C. Buch welches zugleich eine Anleitung zum Denken für Kinder enthält" (1790) hat für die pädagogische Literatur beispielgebend gewirkt. Doch noch in einem anderen Bereich der öffentlichen kulturellen Diskussion wirkte Moritz: Über seinen Aufenthalt in Italien - hier traf er übrigens freundschaftliche mit Goethe zusammen - verfasste er mehrere Publikationen, die mit zur Italienkenntnis des deutschen Lesepublikums beitrugen. Das Interesse des 18. Jahrhunderts an Italien, Griechenland und Kleinasien dokumentiert auch die Wanderausstellung des Winckelmann-Museums Stendal, die das Gleimhaus zeitgleich eröffnet. Besonders in der Buchgrafik wurden dem deutschen Lesepublikum die noch vorhandenden Spuren der antiken Kultur vor Augen gestellt. |
| Dr. Ute Pott | |
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