Da war doch mal was! - Der Verlust von Lesbarkeit bei Ormig-Abzügen
Ormig-Abzug = Spirit-Umdruck
Mit diesem Verfahren hergestellte Dokumente sind in den Archiven häufig als Vervielfältigungen von Protokollen, Arbeitsblättern, Verordnungen u.ä. zu finden.
Das Prinzip des Vervielfältigungsverfahrens
Die Vorlage wird mit alkohollöslichen Farbstoffen (ionische Beschreibmittel) auf glattem Papier mit der Hand oder der Schreibmaschine geschrieben oder auch gezeichnet, dann wird das Papier so auf ein Hektographie-Durchschlagpapier aufgelegt, dass der Text seitenverkehrt auf der Matrize erscheint. Diese muss anschließend auf dem Zylinder des Vervielfältigungsgerätes befestigt werden. Die nacheinander durch das Gerät laufenden, mit alkoholhaltiger Flüssigkeit befeuchteten Blätter, werden so über die Matrize bedruckt. Diese Geräte wurden gegen 1920 eingeführt; sie sind leichter zu handhaben und schneller beim Abziehen im Vergleich zur Hektographie, die seit 1878 bis etwa zum zweiten Weltkrieg als Vervielfältigung verbreitet war. Beide Verfahren arbeiten nach dem gleichen Prinzip und sind Alkoholen gegenüber empfindlich. Erst in den letzten Jahrzehnten werden Ormig-Abzüge durch moderne Fotokopien ersetzt.
Problematik der Umdrucke: Verblassen der Schrift - Verlust der Lesbarkeit
Die Stabilität der Hektographiefarben (Anilinfarbstoffe) ist unterschiedlich, frühe Tinten weisen eine beschränkte Lichtbeständigkeit auf, die aber später verbessert wurde. Auch ist die Intensität des Farbstoffauftrags bei den einzelnen Abzügen nicht gleichmäßig hoch. Im Verlauf des Abziehens, besonders bei größeren Stückzahlen, fallen die Drucke zum Ende hin häufig heller aus. Diese Dokumente haben eine geringere Farbstabilität und verblassen bei der Alterung im Allgemeinen früher.
Vorgänge zur Lesbarkeit verblasster Schriften bei Umdrucken
Maßnahmen gegen das Verblassen der Schrift und den Verlust der Lesbarkeit
Behandlung von säurehaltigen Papieren
Die im Umdruckverfahren vervielfältigten Dokumente in den Archiven, sind der Zeit entsprechend überwiegend auf Holzschliffpapieren abgezogen. Diese Papiere unterliegen endogenen Zerfallsprozessen, (Säurefraß) die durch verschiedene Entsäuerungsverfahren gestoppt werden können. Durch die chemische Unbeständigkeit der Farben bei Ormig-Abzügen können Entsäuerungsmaßnahmen mit chemischen Lösemitteln die Tinten zum Ausbluten bringen. Dagegen ist dieses Erscheinungsbild bei der Entsäuerung mit wässrigen Lösemitteln kaum, und dann nur in geringem Maße zu erwarten, hauptsächlich bei farbkräftigen Abzügen oder ungünstigen Tintenrezepturen. Die Lesbarkeit wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Lit.: Andrea Giovannini "DE TUTELA LIBRORUM" die Erhaltung von Büchern und Archivalien