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Leselust. Kinderbücher – eine kurzweilige Literaturgeschichte seit dem Zeitalter der Aufklärung

24.10.2021 bis 20.02.2022


Die Ausstellung präsentierte Kinderbücher bis zu einem Lesealter von zwölf Jahren und stellte in chronologischer Reihenfolge Lieblingsbücher vom 18. Jahrhundert bis heute vor. Es wurde ein Panorama erzählender Kinderbücher entfaltet (nicht aufgenommen sind Gedichte und Märchen).

In jedem Ausstellungsraum befand sich eine Entdeckerkiste. Der Hallenser Spiel- und Lerndesigner Simon Kurze gestaltete den Kinderraum im Gleimhaus neu und auch das Foyer ludt zu abwechslungsreichen Aktivitäten ein.

Vor rund 250 Jahren entwickelte sich in Gleims Freundeskreis die zukunftsweisende Idee, Bücher für junge Leser zu schreiben und zu illustrieren. Das neue Genre der Kinderliteratur passte hervorragend in das Bildungsbestreben der Aufklärung und sollte ein Erfolgsmodell werden. Wegbereitend für die Entwicklung von Kinderliteratur war eine zunehmende Lesefähigkeit sowie die Erkenntnis, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind und folglich einen für sie geeigneten Lesestoff benötigen.

Bedeutende Autoren und Verleger für das jüngere Lesepublikum sind in Gleims „Freundschaftstempel“ in Porträts verewigt. So auch Friedrich Justin Bertuch, ein Verleger mit Weitblick, der zeitlose Kriterien für gute Kinderbücher erkannte, nämlich: qualitativ hochwertige Illustrationen, Übersichtlichkeit der Seitengestaltung, sparsame Texte und Unterhaltungswert statt Langeweile.

In Jahrhundertschritten ging es mit der Figur des Pinocchio, der den Weg weiste, durch die Ausstellung. An die Begründer der Kinderliteratur schlossen sich die Klassiker des 19. Jahrhunderts an, wie „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch oder „Heidi“ von Johanna Spyri.

Die Ausstellung war auf den generationenverbindenden Besuch angelegt: Während die Urgroß- und Großeltern den Originaltext von „Heidi“ gelesen haben, kennen die Generation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie die Familien mit kleineren Kindern die Trickfilme. Getreu dem Ausstellungsmotto „Leselust“ (statt Lesefrust) ist jeder Weg hin zur Literatur hilfreich, sei es über vereinfachte Lesetexte, Hörspiele oder Hörgeschichten, Verfilmungen, Musicals, Theaterstücke etc.

Nach prägenden Kinderbüchern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie „Nils Holgersson“ von Selma Lagerlöf oder „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner, entwickelte sich ein spannendes Szenario: Welche Leseerfahrungen gab es im Osten und welche im Westen des geteilten Deutschlands? Die beiden Kuratorinnen (Bibliothekarin Annegret Loose und Museumspädagogin Susanne Wiermann) fanden, es lohnt, die „eigenen“ und die „anderen“ Lieblingskinderbücher nochmal zu lesen bzw. neu zu entdecken und dabei in eine vergangene, nahezu vormediale Lebens- und Gedankenwelt einzutauchen.

Die Ausstellung führte bis zur Gegenwart. Natürlich durften auch erfolgreiche Reihen bzw. Serien wie „Die drei ???“, „Harry Potter“ oder „Woodwalkers“ nicht fehlen.

Eine kleine Fotoschau dokumentierte ein partizipatives Bauprojekt mit der Evangelischen Grundschule Sankt Laurentius in Halberstadt, bei dem Hortkinder ihre Lieblingsleseplätze geplant und gebaut hatten. Im „Lesezelt“ konnte ungestört geschmökert werden und auf einer „Lesewiese“ lagen Bilderbücher bereit. Für Besucher, die ihre persönlich prägenden Lieblingskinderbücher als Leihgabe zeigen wollten, standen Wechselvitrinen im Foyer zur Verfügung.

Die Ausstellung versammelet zahlreiche Objekte aus der Bibliothek des Gleimhauses, aber auch Leihgaben von Bibliotheken aus dem nord- und mitteldeutschen Raum.

Die Ausstellung wurde gefördert vom Land Sachsen-Anhalt.