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Harzwölfin. Die Quedlinburger Expressionistin Dorothea Milde (1887 - 1964)

Vom 03.07.2022 bis zum 16.10.2022

  

Selbstporträt bei der Bearbeitung einer Druckplatte, um 1915

Dorothea Milde

Dorothea Milde – Grafikerin, Wandervogel-Führerin, Hundezüchterin und Quedlinburger Original – hatte ein schweres Leben und war von schwerem Gemüt. „Schwere“ ist auch der Schlüsselbegriff ihrer Kunst. Ihr Werk ist in nur rund 15 Jahren der künstlerischen Tätigkeit entstanden und packt den Betrachter in seiner Expressivität unmittelbar. In der Region ist die Erinnerung an die Künstlerin stets wach geblieben, ihre Kunst allerdings ist bislang weitgehend unentdeckt.

Die Edeltanne, 1915, Farbholzschnitt
Die Glocke, 1915, Holzschnitt

Mit der Ausstellung „Harzwölfin. Die Quedlinburger Expressionistin Dorothea Milde (1887-1964)“ zeigt das Gleimhaus, das den Nachlass von Dorothea Milde verwahrt, eine umfassende Werkschau. Milde erweist sich als eine der wichtigsten Künstlerinnen, die im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt tätig waren. Deutlich wird einmal mehr die Bedeutung des Harzes innerhalb der deutschen Landschaftsmalerei. Zur Ausstellung erscheint im Mitteldeutschen Verlag eine Monografie.
Die Ausstellung ist vom 3. Juli bis 16. Oktober 2022 im Gleimhaus zu sehen.

Im Sturm standhalten, 1918, Zinkätzung
Im Tannenwald, 1917, Farbholzschnitt
Stille Gasse, 1911, Federzeichnung


Zu Mildes eigentümlicher Technik wurde die Federzeichnung, in der sie die Schwere durch die Dichte der Striche einer dünnen Feder mit schwarzer Tusche erzielte. Daneben trat seit einigen Studienmonaten in Weimar 1914 der Holzschnitt. Dessen herbe Anmutung entsprach ihrem Wesen in besonderer Weise. Ihre Motive fand sie in Quedlinburg und im Harz, an der ostfriesischen Küste und in der Lüneburger Heide. Neben der Landschaft nimmt mittelalterliche Architektur in ihrer Bildwelt einen hohen Stellenwert ein.

Ihre Kunst wurde zunehmend persönlicher. Ihre Motive gewannen eine Doppelbödigkeit. Atmosphärisches, Wege, Bäume wurden zu Metaphern für Seelisches. Schließlich gelangte sie zu einem ungegenständlichen Expressionismus.

 

Am Flögeler See, 1920, Federzeichnung

Das Jahr 1920, in dem sie sich von ihrem Lehramt hatte beurlauben lassen, verbrachte sie in Einsamkeit und erfuhr bei gesteigertem seelischen Erleben einen kreativen Schub. Zugleich hatte sie menschliche Enttäuschungen zu verwinden. Verbunden damit gelangte ihre Kunst zur Kulmination und kam bald vollständig zum Erliegen.

Aus ihrem Lehramt musste Milde mit Anfang 40 wegen Schwerhörigkeit ausscheiden. Sie siedelte außerhalb der Stadt und erfand sich als Hundezüchterin völlig neu.

 

Abend im Moorland, 1920, Aquarell

Das Gleimhaus, dem die Künstlerin ihren Nachlass anvertraut hat, zeigt nun die erste umfassende Retrospektive. Die begleitende Monografie, die im Mitteldeutschen Verlag, Halle, erscheint, bezieht auch streitbare Züge und Abgründe im Wesen der Künstlerin mit ein. Ausstellung und Buch stellen ein Werk vor, das in kaum fünfzehn Jahren der künstlerischen Tätigkeit entstanden ist und den Betrachter in seiner Expressivität unmittelbar packt.

Gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt.